©️www.preussenjournal.de - hängende Köpfe bei den Preussen-Spielern. Hendrix Diskutiert mit Schiedsrichter Lars Erbst

Umstrittene Entscheidungen: Lars Erbst sorgt für Diskussionen

2. Bundesliga
9 März 2025
13:30
SC Preussen Münster
0 1
1. FC Nürnberg
Umstrittene Entscheidungen: Lars Erbst sorgt für Diskussionen
9 März 2025, 13:30 Uhr – Preussen Münster gegen den FC Nürnberg. Was zunächst wie ein traditionsreiches Fußballduell klang, entwickelte sich zu einem weiteren negativen Eintrag in der Geschichte von Preussen und ihrem Schiri-Glück.
Doch soll eine fragwürdige Schiedsrichterleistung das Spielergebnis nicht rechtfertigen – auch mit einem „perfekten“ Schiedsrichter hätte man dieses Spiel verlieren können. Dennoch möchte ich mit diesem Bericht meine Meinung äußern und das Schiedsrichterteam kritisieren.

In dieser Partie war Hauptschiedsrichter Lars Erbst im Einsatz, der in dieser Saison bereits drei Preussen-Spiele geleitet hat (0:0 zuhause gegen Hannover, 1:2 auswärts gegen Berlin und 0:1 zuhause gegen Nürnberg). In der 2. Bundesliga weist Erbst eine durchschnittliche Kicker-Benotung von 3,2 auf; bei seinen bisherigen zwei Preussen-Spielen lag sie sogar bei 2,25 – Zahlen, die zunächst akzeptabel erscheinen.

Allerdings gibt es auch Zahlen, die erste Zweifel wecken. In seinen bisherigen zwei Spielen für Preussen hat Erbst insgesamt 7 gelbe Karten gegen die Adlerträger vergeben und nur 3 gegen die Gegner der Preussen. Rechnet man nun das Spiel gegen Nürnberg mit ein, ergibt sich ein Wert von 11 gelben Karten für Preussen und 4 für die Gegner – ein deutlicher Unterschied, der sich vor allem in diesem Spiel gegen Nürnberg zeigte. Dazu später mehr.

Schiedsrichter: Einzel oder Team Leistung?

Klar ist jedoch: Erbst ist nicht der einzige Schuldige. Die Schiedsrichter arbeiten in den Profiligen als Team. In der 2. Bundesliga kommen vor Ort im Stadion vier Teammitglieder zum Einsatz – zusätzlich zu zwei Kollegen im Video-Keller in Köln. Vor allem die beiden Linienrichter sind für den Hauptschiedsrichter unverzichtbar – sie fungieren gewissermaßen als seine zusätzlichen Augen 3-4 und 5-6. Dazu der vierte Offizielle, der sich vor allem um Auswechslungen und die Trainer kümmert.

Die Linienrichter tragen allerdings erheblich zur Komplexität der Entscheidungen bei. Seit der Einführung des VAR merkt man, wie unsicher vor allem diese Assistenten geworden sind – eine klare Linie ist oft nicht erkennbar. Viel zu oft zögern sie, die Fahne bei einem möglichen Abseits rechtzeitig zu heben, oder lassen knappe Situationen nicht laufen.

Das Problem dabei ist: Ein Video-Beweis darf nur in bestimmten Situationen herangezogen werden – nämlich bei Toren, klaren Fehlentscheidungen bei Elfmetern oder bei persönlichen Sanktionen. Wird ein Abseits von einem Linienrichter „übersehen“, darf der VAR diesen Fehler erst korrigieren, wenn es im Anschluss zu einem Elfmeterpfiff, einem Tor oder einer roten Karte kommt. Führt das Spiel beispielsweise nach dem Abseits zu einer Ecke, ist ein Eingreifen des VARs nicht zulässig.

Noch gravierender wird die Situation, wenn ein Linienrichter, der es gewohnt ist, einen VAR zur Unterstützung zu haben, in Spielen ohne VAR eingesetzt wird – ein Phänomen, das in der dritten Liga häufig zu beobachten ist. Hier kann kein VAR Fehlentscheidungen korrigieren. Zudem sollen die Assistenten dem Schiedsrichter auch außerhalb von Abseitsentscheidungen helfen – etwa bei Fouls, Einwürfen oder Ecken. Sie bieten ihm eine zusätzliche Perspektive. Problematisch ist jedoch, dass Schiedsrichter sich zu leicht von ihren Assistenten beeinflussen lassen.

Fragwürdige Entscheidungen?

Ein Beispiel aus der Partie gegen Nürnberg verdeutlicht dies: In der ersten Halbzeit, in Preussens Hälfte, direkt vor der Haupttribüne, kann sich ein Nürnberger Spieler im Zweikampf nicht durchsetzen. Ein Preussen-Spieler erkämpft sich den Ball und spielt ihn nach vorne. Die erste Reaktion von Lars Erbst lautet: „Kein Foul, Ball gespielt.“ Kurz darauf hebt jedoch sein Assistent, der etwa vier bis fünf Meter von der Szene entfernt stand, hektisch die Fahne – was andeutet, dass er einen Kontakt und damit ein Foul wahrgenommen hat. Daraufhin entscheidet Erbst auf Freistoß für Nürnberg und unterbindet damit eine mögliche Kontersituation von Preussen.

War es tatsächlich ein Foul? Eher nein. Natürlich kann ich das nicht zweifelsfrei bestätigen, aber ich war selbst im Stadion auf der Haupttribüne und hatte einen guten Blick auf die Szene. Ich sah keine starke Berührung zwischen den beiden Spielern. Nach der Faustregel – ändert der Ball die Richtung deutlich, ist das ein Indiz dafür, dass er gespielt wurde – war hier eindeutig klar, dass der Ball die Richtung erheblich geändert hat. Somit handelt es sich um eine Fehlentscheidung, obwohl der Schiedsrichter diese gar nicht selbst herbeigeführt hatte.

Der Linienrichter an der Seite der Haupttribüne hatte heute nicht seinen besten Tag. Mehrfach wurden Situationen falsch beurteilt – sei es bei Fouls, Abseitsentscheidungen, Ecken oder Einwürfen. Diese Kleinigkeiten, die das große Ganze ausmachen, sollten in keinem Spiel vorkommen. Und ein Schiedsrichter verlässt sich bekanntlich auf seine Assistenten. Situationen, in denen der Hauptschiedsrichter von den Empfehlungen seines Assistenten abweicht, sind sehr selten – doch können solche Entscheidungen spielentscheidend sein. Ein Einwurf, der dem falschen Team zugesprochen wird, führt zu Ballbesitz beim Gegner, und eine falsch vergebene Ecke kann zu einer direkten Torchance führen – Situationen, in denen der VAR nicht eingreifen darf. Ist das fair? Nein!

Das größte Problem von Herrn Erbst jedoch ist sein mangelndes Fingerspitzengefühl. So gab er Preussen bereits beim ersten taktischen Foul eine gelbe Karte, während er bei Nürnberg taktische Fouls nicht mit Gelb bestrafte. Mehrere Fouls wurden zudem falschherum entschieden – ob er diese Entscheidungen eigenständig traf oder auf Empfehlungen seiner Assistenten per Funk hörte, bleibt den Zuschauern stets unbekannt.

Der Einsatz des VAR

Auch die Kommunikation mit dem VAR ist für die Stadionbesucher weitgehend undurchsichtig. In der 90. Spielminute erhält Preussen einen Freistoß direkt vor dem Tor – eine Situation, die unseren Capitano Marc Lorenz in Aktion brachte. Nachdem er den Ball gut aufs Tor schoss, folgte eine Parade des Nürnberger Torwarts, ein Nachschuss, ein Spieler auf der Linie und zwei Preussen-Spieler lagen plötzlich am Boden – ein einziges Durcheinander. Der Ball wird abgewehrt und fliegt Richtung Tor aus. Plötzlich ertönt ein lauter Pfiff: Erbst entscheidet auf Elfmeter. Das Stadion jubelt, während sich die Nürnberger beschweren. Doch was war geschehen? Die Zuschauer blieben ratlos – es wurde spekuliert, ob es sich um ein Foul oder gar ein Handspiel gehandelt habe, denn zwei Preussen-Spieler lagen am Boden.

Minutenlang geschah nichts, während die Fans unruhig wurden. Pfiffe ertönten, und Anti-VAR-Gesänge hallten durch das Stadion. Nach gefühlten Ewigkeiten folgt schließlich die Geste von Herrn Erbst: Er zeichnet den allseits bekannten rechteckigen Kasten in die Luft, begibt sich zum Monitor, um die Situation zu prüfen – wieder vergehen gefühlte Ewigkeiten. Dann wendet er sich ab, läuft zögerlich in Richtung Strafraum, zeichnet erneut den rechteckigen Kasten und gibt eine Geste, die signalisieren soll, dass kein Elfmeter gegeben wird.

Offensichtlich war allen klar: Wenn es so lange dauert, gibt es keinen Elfmeter. Lorenz schnappt sich den Ball und läuft zur Eckfahne – doch Erbst hat etwas anderes im Sinn. Er pfeift Lorenz zurück, schickt die Preussen-Spieler in Richtung der eigenen Hälfte, legt den Ball auf den Boden und gibt „Freistoß“ für Nürnberg. Das kann wirklich niemand im Stadion fassen. Sprechchöre mit Rufen wie „Schieber, Schieber, Schieber!“ hallen durch das Stadion.

Niemand scheint zu verstehen, was hier vor sich geht. Aus einem Elfmeter für Preussen wird ein Freistoß gegen Preussen. Preussen liegt 0:1 hinten, und die Nachspielzeit hat bereits begonnen. Das Schlimmste daran: Die Zuschauer stehen ratlos da und wissen nicht, was passiert ist – war es ein Stürmerfoul? War es Abseits? Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Erbst nicht zugunsten von Preussen gepfiffen – viele Fouls und viele Karten gegen Preussen, dagegen Mangelware bei Nürnberg. Das fühlt sich ungerecht an, als hätte Erbst das Spiel selbst manipuliert.

Nach dem Spiel stellt sich heraus, dass er in der Elfmeter-Situation einen Schiedsrichterball für Nürnberg gab, weil der Ball zum Zeitpunkt des Pfiffs noch nicht im Aus war – ein Urteil, das wenig gerecht erscheint, denn wenige Zehntel später wäre der Ball bereits im Aus gewesen. Durch diesen letztlich ungerechtfertigten Pfiff verliert der SCP seinen Vorteil und Ballbesitz – und damit auch das Spiel.


Florian
Florian

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